Militärische Leistungsfähigkeit an der Ostfront

Die deutsche militärische Leistungsfähigkeit an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg.
Teil IV der Analyse der Kampfkraft mit einem statistischen Vergleich während der Schlacht von Kursk und für die sowjetischen gegen die deutschen Streitkräfte 1944.

geglueckter Schuss
Der geglückte Abschuss eines russischen Panzers.

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Militärische Leistungsfähigkeit an der Ostfront

Leider ist die HERO-Datenbasis (Historical Evaluation and Research Organization) für die deutsche Ostfront im 2. Weltkrieg weniger umfangreich als für die militärische Leistungsfähigkeit an Westfront.
Jedoch zeigen die verfügbaren Daten, dass der deutsche Kampfwert dem der Roten Armee noch deutlicher überlegen war, als auf den westlichen Kriegsschauplätzen gegen Briten, Amerikaner und ihre Verbündeten. Allerdings war diese Überlegenheit nicht mehr so gewichtig, wie noch die Kampfkraft im 1. Weltkrieg.

Militärische Leistungsfähigkeit Ostfront 1943

In der nachfolgenden Übersicht werden Werte während der Panzerschlacht von Kursk im Abschnitt Oboyan wiedergegeben.

In einer sieben Tage anhaltenden Schlacht griff das deutsche XLVIII. Panzer-Korps die russische 6. Garde-Armee und die 1. Tank-Armee an. In diesem Zeitraum waren die deutschen Verbände im Verhältnis von rund 2:3 zahlenmäßig unterlegen. Trotzdem konnten sie etwa 35 km durch eine der am stärksten verteidigten und ausgebauten Stellungssysteme, welche es seit dem Ende des 1. Weltkrieg gab, vordringen.

Der Vorstoß kam erst zum Erliegen, als noch eine russische Tank-Armee und zusätzliche Reserven eintrafen und sich das bisherige Kräfteverhältnis vollständig verschob.

Um bei dem ursprünglichen Kräfteverhältnis so tief vordringen zu können, mussten die Soldaten der Wehrmacht eine Kampfwertüberlegenheit von mindestens 168 % bzw. eine relative Kampfeffektivität (Combat Effectiveness Value = CEV) von 2,68 gehabt haben.

Bei dem Großteil der von HERO analysierten Gefechte war der Kampfwert (Score Effectiveness, CE) größer als die relative Kampfeffektivität (Combat Effectiveness Value = CEV), meistens um das Quad­rat des CEV.
Bei diesen 7 Tage anhaltenden Gefechten war der Wert etwas geringer, was die Russen vermutlich ihren ausgebauten Stellungssystemen verdankten, wodurch sie weniger empfindlich für Verluste waren als üblich.

Statistischer Vergleich in der Schlacht von Kursk, Abschnitt Oboyan 5.-11. Juli 1943:

RussenDeutscheVerhältnis
Truppenstärke 98.000 62.000 1,58 : 1,00
Panzer und Sturmgeschütze817650 1,26 : 1,00
Artillerie und schwere Granatwerfer (ab 75mm) 1.675 1.014 1,65 : 1,00
Unterstützungseinsätze der Luftwaffe 3.150 3.150 1,00 : 1,00
Verluste 22.000 13.600 1,62 : 1,00
Verluste pro Tag 2.444 1.511 1,62 : 1,00
Prozentuale Verluste pro Tag 2,49 % 2,49 % 1,02 : 1,00
Panzerverluste450350 1,29 : 1,00
Ungefähre Kampfwert-Effektivität (CEV) 1,0 2,35 1,00 : 2,35
Treffer-Effektivität (Kills, Score Effectiveness: CE) 1,39 2,55 1,00 : 1,83
Tote und Verwundete Kursk
Nach jedem kleinen Geländegewinn Tote und Verwundete in der Schlacht von Kursk.

Übersicht über die Schlacht von Kursk

Die Schlacht von Kursk war eine bedeutende Schlacht zwischen deutschen und sowjetischen Truppen an der Ostfront des Zweiten Weltkriegs im Juli und August 1943. Sie war eine der größten Panzerschlachten der Geschichte und ein entscheidender sowjetischer Sieg. Die Schlacht fand in der Nähe der Stadt Kursk in der Sowjetunion (heutiges Russland) statt.

Die wichtigsten Punkte sind:

– Deutsche Offensive: Die deutschen Truppen starteten die ‚Operation Zitadelle‘, eine massive Offensive mit dem Ziel, die sowjetischen Streitkräfte im Kursker Bogen einzukesseln und zu vernichten.

– Sowjetische Vorbereitung: Die Sowjets, die von den deutschen Plänen wussten, befestigten das Gebiet stark und zogen eine große Anzahl von Panzern, Artillerie und Flugzeugen zusammen.

– Panzerschlacht: In der Schlacht kam es zu heftigen Panzergefechten, darunter das berühmte Gefecht bei Prochorowka, an dem Hunderte von gepanzerten Fahrzeugen beteiligt waren.

– Luftkrieg: Beide Seiten lieferten sich umfangreiche Luftkämpfe, um die Luftüberlegenheit zu erlangen und die Bodenoperationen zu unterstützen.

– Deutsche Niederlage: Trotz anfänglicher deutscher Vorstöße verteidigten die Sowjets ihre Stellungen erfolgreich und starteten Gegenangriffe, so dass die Deutschen gezwungen waren, die Offensive abzubrechen.

– Wendepunkt: Der sowjetische Sieg bei Kursk markierte einen Wendepunkt an der Ostfront, da Deutschland die strategische Initiative verlor und für den Rest des Krieges in die Defensive geriet.

Die Schlacht bei Kursk demonstrierte die wachsende Stärke und die zunehmenden taktischen Fähigkeiten der sowjetischen Roten Armee und die schwindenden Möglichkeiten der deutschen Wehrmacht. Sie verdeutlichte auch die Bedeutung der gepanzerten Kriegsführung und der kombinierten Waffentaktik in modernen militärischen Operationen.

Militärische Leistungsfähigkeit Ostfront 1944

Fahnenschwur
Der Fahnenschwur, die Zarentradition in der Roten Armee.

Für das Jahr 1944 an der Ostfront, in welchem sich die Rote Armee praktisch durchgehend in der Offensive und auf dem Vormarsch befand, gibt es eine Übersicht mit Gesamtzahlen.

Die deutschen Armeen standen praktisch das ganze Jahr unter Druck, erhielten kaum Verstärkung und Nachschub, wurden zurückgetrieben, eingeschlossen und mussten sich zurückziehen. Jede andere Streitmacht wäre unter diesen Umständen zusammengebrochen und hätte sich aufgelöst.

Die Wehrmacht stand zwar oft am Rande des Zusammenbruchs, aber dieser trat nie ein. Dafür musste der sich in der Verteidigung befindende deutsche Soldat bei einer Frontstärke von 2,5 Millionen Mann an der Ostfront eine Kampfwertüberlegenheit von zumindest 88 % bzw. eine Effektivität von 1,88 gehabt haben.

Dadurch ergibt sich, dass die deutsche Fähigkeit, den Russen Verluste zuzufügen (Score effective­ness = CE) fast sechsmal so hoch war, wie umgekehrt. Als Ursachen kommen hierbei vermutlich noch hinzu, die Qualitätsminderung der russischen Infanterie, welche von Feldmarschall Manstein schon Anfang 1944 festgestellte wurde, sowie die rücksichtslose Taktik der Massenangriffe, was natürlich zu einem erheblichen Blutzoll führte.

Statistischer Vergleich sowjetische gegen deutsche Streitkräfte, Ostfront 1944:

RussenDeutscheVerhältnis
Front-Truppenstärke 6.100.000 zwischen 3.500.000 bis 2.500.000 1,74 : 1,00 bis 2,44 : 1,00
Relative Stärke für verteidigende Deutsche (Faktor 1,3) 1,34 : 1,00 bis 1,88 : 1,00
Gesamtverluste 7.000.000 1.800.000
davon Abgänge außerhalb des Gefechts ca. 2.000.000 700.000
davon Kampfverluste ca. 5.000.000 1.100.000 4,55 : 1,00
Verlustverhältnis auf dem Schlachtfeld pro Mann (bei 3,5 Mill. Deutschen) 0,18 1,4 1,00 : 7,78
Treffer-Effektivität (Kills, Score Effectiveness: CE - deutscher Verteidiger-Faktor berücksichtigt) 1,00 : 5,98

button goSiehe auch: Zahlenvergleiche deutscher und russischer Panzer

Siehe auch: Deutsche Kampfkraft im 1. Weltkrieg
Siehe auch: Ergebnisse von Schlachten im 1. Weltkrieg


Mansteins Einfluss auf die Ostfront 1943 bis 1944

Besprechung Führerhauptquartier
Aufnahme 1942 aus dem Führerhauptquartier Wolfsschanze: v.l.n.r. Erich von Manstein, Richard Ruoff, Adolf Hitler, Kurt Zeitzler, Ewald von Kleist, Werner Kempf, Wolfram von Richthofen.

Überblick

Generalfeldmarschall Erich von Manstein war einer der fähigsten Militärbefehlshaber Deutschlands und besonders bekannt für seine brillanten Operationen an der Ostfront in den Jahren 1943/44.

– Winter–Frühjahr 1943: Nach der deutschen Niederlage in Stalingrad führte Manstein als Befehlshaber der Heeresgruppe Süd seine berühmte „Rückhandschlag”-Gegenoffensive durch.
– Im Februar und März 1943 nutzte er mobile Panzertruppen, um die Überdehnung der sowjetischen Streitkräfte auszunutzen, besiegte mehrere sowjetische Armeen und eroberte Charkow zurück.
– Dadurch wurde die süddeutsche Front wiederhergestellt und der Wehrmacht eine vorübergehende Atempause verschafft.
– Juli 1943: Er spielte eine zentrale Rolle in der Operation Zitadelle (der Schlacht von Kursk). Mansteins südliche Zange drang weiter vor als Models nördlicher Angriff, wurde jedoch nach dem Scheitern des nördlichen Vorstoßes und sowjetischen Gegenoffensiven gestoppt.
– Ende 1943: Als die Rote Armee nach Kursk nach Westen vorrückte, führte Manstein geschickte defensive Rückzüge durch und befürwortete oft eine flexible Manöverkriegsführung. Er geriet wiederholt mit Hitler aneinander, der statt einer elastischen Verteidigung „Standhaftigkeitsbefehle” verlangte.

– Anfang 1944 befehligte Manstein während der sowjetischen Dnjepr-Karpaten-Offensive weiterhin die Heeresgruppe Süd.
– Er drängte Hitler, strategische Rückzüge zuzulassen, um Kräfte zu schonen, doch Hitler lehnte dies ab, was zu schweren Verlusten für die Deutschen führte, darunter die Einkesselung der 1. Panzerarmee im Kamenez-Podolski-Kessel (obwohl Mansteins Truppen einen Ausbruch schafften).
– Im März 1944 war Hitler zunehmend frustriert über Mansteins ständige Forderungen nach operativer Freiheit. Am 30. März 1944 wurde Manstein seines Kommandos enthoben und durch Generalfeldmarschall Walter Model ersetzt.

– Nach seiner Entlassung hatte Manstein nie wieder ein Feldkommando inne.
– Er unterzog sich einer Augenoperation und verbrachte den Rest des Krieges relativ zurückgezogen.
– Nach dem Krieg wurde er wegen Kriegsverbrechen angeklagt und verurteilt (1949) und verbüßte einen Teil seiner 18-jährigen Haftstrafe, bevor er 1953 freigelassen wurde.

Zwischen 1943 und 1944 erzielte Manstein seine letzten großen operativen Erfolge (Gegenoffensive bei Charkow), erlitt Rückschläge bei Kursk und überwarf sich schließlich mit Hitler wegen strategischer Differenzen. Seine Entlassung im März 1944 bedeutete das Ende seiner militärischen Karriere an der Front.


Mansteins operative Leitung

Feldmarschall Erich von Manstein
Feldmarschall Erich von Manstein, der brillianteste deutsche militärische Kopf im 2. Weltkrieg. Er entwarf den Sichelschnitt-Plan zum Blitzsieg über Frankreich und besiegte nach der Schlacht von Stalingrad die Rote Armee und eroberte Charkow zurück, trotz einer zahlenmäßigen Unterlegenheit von 1:10.
Generalfeldmarschall Erich von Manstein gilt im Allgemeinen als fähigster und genialster deutscher Heerführer des Zweiten Weltkrieges.
Nachdem sein Gegenangriff in Richtung Stalingrad, dem der Ausbruch von Paulus eingeschlossener 6. Armee eigentlich hätte folgen sollen, aber an Hitlers Sturheit scheiterte und Deutschland die schwerste Niederlage seit den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges erlitt und jede Hoffnung über einen Sieg über Sowjet-Russland aufgeben musste, gelang ihm im März 1943 die überraschende Offensive ‚aus der Rückhand‘ – trotz einer Unterlegenheit von 1:10 – mit der Rückeroberung Charkows.

Obwohl dieser Sieg das Potenzial hatte, die Front zu stabilisieren und ein Patt im Osten zu erzwingen, welches zumindest unter normalen politischen Umständen einen Verhandlungsfrieden heraufbeschwören hätte können, wurde dieser letzte große Erfolg in Russland verspielt.

So verlangte Manstein die sofortige Ausnutzung des Erfolges durch das Abschneiden des russischen Frontvorsprunges um Kursk, welcher als Folge seines Sieges bei Charkow entstanden war. Das OKW stimmte dem Plan zu, ebenso wie anfangs Adolf Hitler.
Kurze Zeit später verschob der Führer die Operation um schließlich zwei Monate, um dabei die neuen deutschen Tiger-Panzer und Panther-Panzer in größeren Mengen einsetzen zu können. Dies war eine völlige Verkennung der Tatsachen, da ihm der Generalstab bereits mitgeteilt hatte, dass die sowjetische Produktion an Panzern wesentlich größer als die deutsche Panzer-Produktion war.

Panzer Straßenkampf Charkow
Deutsche Marder-Selbstfahrlafette mit zwei PzKpfw IV im Straßenkampf in Charkow.

Anfang Mai 1943 hätte Operation ‚Zitadelle‘ noch erfolgreich sein können, doch bis zum Juli wurde der Frontbogen um Kursk von der Roten Armee zu einem der am stärksten ausgebauten Stellungssysteme moderner Kriege verwandelt, hinter dem zudem noch starke Reserven bereitstanden.

Bei Beginn der Offensive am 5. Juli 1943 standen etwa 300.000 deutsche Soldaten im Norden des Frontbogens und 600.000 Mann südlich bei der Heeresgruppe Süd unter von Manstein. Diesen rund 900.000 Deutschen standen 1,3 Millionen Rotarmisten in ihren ausgebauten Stellungen gegenüber, wozu noch 300.000 Mann Reserven hinzukamen.

Der nördliche Angriffskeil der deutschen 9. Armee der Heeresgruppe Mitte kam nicht weit und blieb bald liegen. Im Süden dagegen konnten von Mansteins 4. Panzer-Armee und die Armeeabteilung Kempf nach sieben Tagen harter Gefechte mehr als 35 km tief eindringen. Mit Stoßrichtung auf Oboyan hatten sie sich bereits die Hälfte der Strecke nach Kursk vorwärts gekämpft und die Verteidigungszone des Gegners überwunden.

Tiger-Panzer der SS-Division Das Reich bei Kursk
Tiger-Panzer der SS-Division Das Reich bei Kursk, Juli 1943.

Unter Berücksichtigung des stark ausgebauten Systems von Feldbefestigungen, des zähen sowjetischen Widerstandes und deren zahlenmäßiger Überlegenheit eigentlich eine unglaubliche Leistung.
Am 11. Juli setzte das sowjetische Oberkommando seine bisher in Reserve gehaltene Panzerarmee ein. Dies brachte das deutsche Vordringen zum Erliegen und war der Höhepunkt dieser größten Panzerschlacht der Geschichte. In den folgenden Tagen drückten die Sowjets die Deutschen mithilfe weiterer Reserven zurück.

Später behauptete Manstein, dass seine Truppen den sowjetischen Gegenangriff hätten abschlagen können, um anschließend bis Kursk vorzustoßen. Dies soll nur deshalb nicht möglich gewesen sein, da Hitler am 13. Juli wegen der alliierten Landung auf Sizilien die Offensive habe abbrechen lassen, um Reserven nach Westen verlegen zu können.
Eine objektivere Beurteilung kommt jedoch zu dem Schluss, dass die erschöpften deutschen Angriffsverbände auch ohne Hitlers Abbruchbefehl dieses Ziel hätten kaum erreichen können.

Allerdings stimmt Mansteins Zusammenfassung der gescheiterten Zitadelle-Operation: Der Gegner hatte gegenüber seinen beiden Angriffsarmeen etwa viermal so hohe Verluste an Gefangenen, Gefallenen und Verwundeten.
Deshalb kann die Leistung der deutschen Sturmtruppen gegenüber einem in stark befestigten Stellungen verteidigten und zahlenmäßig überlegenen Gegner nicht hoch genug bewertet werden.

Russische Truppen auf dem Vormarsch
Russische Truppen auf dem Vormarsch, wobei die Panzerabwehrkanone mühsam per Hand vorbewegt wird. Die zuvor gute Qualität der russischen Infanterie nimmt bereits seit Frühjahr 1943 spürbar ab, da die Rote Armee in den gerade zurückeroberten Gebieten rücksichtslos sofort jeden Mann bis zum Alter von 60 Jahren zum Felddienst einzieht. Allerdings wird dieser Nachteil durch die hohe zahlenmäßige und auch zunehmend materielle Überlegenheit – insbesondere gegenüber der Mansteins Heeresgruppe Süd in der Ukraine – mehr als ausgeglichen.

In den folgenden acht Monaten führte Manstein eine ganze Serie von glänzenden Abwehr- und Hinhalte-Operationen durch. Dabei waren die Sowjets zumindest immer drei- bis viermal so stark, manchmal sogar siebenfach!
Aber nicht nur die Rote Armee war sein Gegner, sondern genauso viel Ärger gab es aus dem Rücken vom deutschen Hauptquartier kommend!
Hitler, der in seinem eigenen, zunehmend irrationaleren Weltbild lebte, stritt mit Manstein über jeden einzelnen seiner Rückzugsbefehle und drohte damit unzählige weitere Stalingrad-Katastrophen heraufzubeschwören.

Adolf Hitler
Lagebesprechung Hitlers im Führerhauptquartier mit Manstein.
So musste jede klare Schwerpunktbildung an den entscheidenden Stellen der Ostfront (nämlich im Süden) und nach operativer Bewegungsfreiheit immer wieder und mühsam von der Heeresgruppe Süd beim Führerhauptquartier durchgekämpft werden.
Hitlers strategische und operative Gedankengänge, die auf seinen persönlichen Eigenschaften und Anschauungen beruhten, standen im krassen Gegensatz zu den traditionell überlieferten Grundsätzen der Anschauungen eines ausgebildeten deutschen Generalstabsoffiziers.

Der Führer glaubte dabei an die Macht des Willens, der nicht nur seinen Armeen an den gewünschten Stellen Halt gebieten konnte, sondern das gleiche auch mit dem Gegner machen zu können. Für Diktatoren gilt immer und überall im Allgemeinen, dass sie sich keinen Prestigeverlust erlauben können, denn dieser gefährdet ihre Macht im totalitären Staat. Genauso war es bei Hitler, der deshalb das militärische Risiko scheute und dem – trotz vieler anderer Begabungen – die Grundlagen der militärischen Generalstabsausbildung fehlten.

Halder
Halder (Chef des Generalstabs, OKH) bis September 1942.
Die traditionellen deutschen Generalstabsoffiziere dagegen – wie von Manstein oder der letzte große Chef des deutschen Generalstabes Halder, den Hitler bereits am 25. September 1942 wegen dessen Kritik am Feldzug gegen Stalingrad und in den Kaukasus nicht mehr ertragen konnte und kurz und brutal entließ – waren so erzogen und ausgebildet, dass die Kriegsführung eine eigentliche ‚Kunst‘ sei.
Diese Kunst beinhaltete wesentliche Elemente, wie eine klare Lagebeurteilung und kühne militärische Entschlüsse. Der Erfolg konnte nur in beweglicher Operationsführung gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner liegen, da nur dann die taktische Überlegenheit der deutschen Führung und Truppe voll ausgenutzt werden konnte.

Mit Rückendeckung von Himmler, Keitel und Göring, welche alle von Manstein hassten, löste Hitler diesen am 30. März 1944 ab. Zuvor hatte Manstein es noch gewagt, ihn dazu zu drängen, einen erfahrenen Generalstäbler als militärischen Oberbefehlshaber einzusetzen, um den Führer von einer seiner zahlreichen Aufgaben zu ‚entlasten‘.

Trotzdem blieben die Grundsätze und Anschauungen der deutschen Generalstabsoffiziere ein weites Jahr zumeist noch wichtige Faktoren bei der bemerkenswerten taktischen Leistungsfähigkeit der deutschen Streitkräfte selbst in dieser Kriegsphase.
Der deutsche Generalstab selbst wurde jedoch in einem schleichenden Prozess bereits seit der Übernahme des Oberbefehls durch Hitler über die Wehrmacht Anfang 1938, dessen Befehl vom August 1941 zu den Kesselschlachten von Kiew unter Zurückstufung Moskaus, der Entlassung des Oberbefehlshabers des Heeres von Brauchitsch nach Beginn der sowjetischen Gegenoffensive im Dezember 1941, bis zur Entlassung des letzten großen Generalstabschefs Halder im September 1942, als Faktor immer bedeutungsloser.

button goSiehe auch: Zahlenvergleiche deutscher und russischer Panzer

Siehe auch: Deutsche Kampfkraft im 1. Weltkrieg
Siehe auch: Ergebnisse von Schlachten im 1. Weltkrieg


Quellenangaben und Literatur

Kampfkraft (Martin van Creveld)
Der Genius des Krieges (Trevor N. Dupuy)
Den Krieg denken – Die Entwicklung der Strategie seit der Antike (Beatrice Heuser)

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5 Kommentare zu „Militärische Leistungsfähigkeit an der Ostfront“

  1. Uwe Jaschik

    hat das irgendwer behauptet? Das sind historisch belegte statistische Werte. Warum bist Du auf dieser Seite? Nur um dumme Unterstellungen zu machen?

  2. Michael

    Was soll das alles ?
    Wollen wir hier auch diesen Krieg nachträglich gewinnen ?
    Weil „wir“ (wer immer das sei) besser waren ?
    Gerade heute, wo schon wieder mit den Hufen gescharrt wird:
    Nie wieder !!

    1. Kretaner

      Die Untersuchung der militärischen Leistungsfähigkeit ist neben anderen militär-wissenschaftlichen Bereichen wesentlich für die Bestimmung von Variablenen und Faktoren in Kriegsspielen und Militärsimulationen. Diese Daten werden u.a. für möglichst genaue historische Militärsimulationen verwendet, wie z.B. das Kriegsspiel WW2 Total – worauf bei ‚Über diese Webseite‘ auf der Home-Seite hingewiesen wird.

  3. Pancho Villa

    Etwas verwirrend der statistische Vergleicht – Ostfront 1944: denn bei russischen = richtig sowjetischen Front-Truppenstärke von 6.100.000 gabs sogar sowjetische Gesamtverluste von 7.000.000 ?
    – Wie ists möglich ?
    – Dies bedarf einer zusätzlichen Erklärung !

    1. Kretaner

      Das ist nicht ungewöhnlich, da die russischen Truppen während des Jahres natürlich ständig aufgefrischt wurden (ebenso wie die Deutschen und auch die aller anderen Armeen). Die durchschnittliche ‚Lebenserwartung‘ (wobei unter Verluste auch Kriegsgefangene und Verwundete fallen) eines Rotarmisten liegt demnach 1944 unter einem Jahr.

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