Militärische Leistungsfähigkeit Westfront

Deutsche militärische Leistungsfähigkeit gegen die westlichen Alliierten an der Westfront 1944.
Effektivste Verbände an der Westfront nach der statistischen Auswertung der Gefechte bei Le Masto und Metz in Frankreich (14.8. bis 14.9.1944) und an der Saar (8.11. bis 7.12.1944).

US-Infanterie von XX. Korps, unterstützt von einem M10 Jagdpanzer,
US-Infanterie vom XX. Korps, unterstützt von M10 Jagdpanzer, marschiert nach einem kurzen Gefecht mit deutschen Verteidigern in den Außenbezirken von Fontainebleu an der Seine südlich von Paris am 23. August 1944 vorwärts.

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Militärische Leistungsfähigkeit an der Westfront 1944

Die Befreiung Westeuropas durch die Alliierten im Jahr 1944 war ein entscheidender Zeitraum des Zweiten Weltkriegs. Hier ist ein kurzer Überblick über die Ereignisse:

D-Day (6. Juni 1944): Alliierte Streitkräfte, hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Kanada, starteten eine massive amphibische Invasion in der Normandie, Frankreich. Dies war der Beginn der Befreiung Westeuropas von der Nazi-Besatzung.

Ausweitung des Landekopfes: Nach der Sicherung der Strände begannen die alliierten Streitkräfte, ins Landesinnere vorzudringen und französische Ortschaften zu befreien. Die Stadt Caen war ein wichtiges Ziel und wurde heftig umkämpft.

Operation Dragoon (15. August 1944): Eine zweite alliierte Invasion wird in Südfrankreich begonnen, welche die deutschen Streitkräfte weiter zurückdrängt und die Befreiung des Landes beschleunigt.

Befreiung von Paris (25. August 1944): Nach einem Aufstand der französischen Widerstandsbewegung und dem Eintreffen der alliierten Streitkräfte wird Paris von der deutschen Kontrolle befreit.

Arnheim und die Ardennenoffensive: Die Alliierten versuchten im September 1944, wichtige Brücken in den Niederlanden zu sichern (Operation Market Garden), mussten jedoch Rückschläge hinnehmen. Im Dezember startete Deutschland eine Gegenoffensive in den Ardennen, die schließlich von den alliierten Streitkräften zurückgeschlagen wurde.

Die Überquerung des Rheins und das Ende des Krieges: Anfang 1945 überquerten die Alliierten den Rhein in Deutschland, was schließlich zur Kapitulation der Nazi-Streitkräfte und zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa am 8. Mai 1945 führte.

Die Befreiung Westeuropas war ein wichtiger Wendepunkt des Krieges, der zur Niederlage Nazideutschlands und zur Wiederherstellung der Freiheit in den besetzten Ländern führte.

Die militärische Leistungsfähigkeit der deutschen und westalliierten Streitkräfte

Die nachfolgend aufgeführten Gefechte und Schlachten fanden in der Phase nach dem Ausbruch der alliierten Streitkräfte aus ihrem Brückenkopf aus der Normandie statt, beginnend mit amerikanischem Vorstoß südlich des Kessels von Falaise in Richtung der Seine und dann der Marne südlich um Paris herum.

Es folgen dann Gefechte aus den schweren Kämpfen an der deutschen Grenze in der Saar-Region, welche sich von November bis kurz vor die Ardennen-Offensive hinzogen.
Bei all diesen Gefechten befanden sich die deutschen Truppen zumeist weit in der Unterzahl, mit weniger Material und praktisch keiner Unterstützung aus der Luft.

Die Angaben entsprechen denen von der militärischen Leistungsfähigkeit von den Kämpfen gegen die westlichen Alliierten in Italien 1943-44 und auch die genauen Erläuterungen dazu sind auf dieser Seite zu finden.

FRANKREICH – Le Masto-Metz (14. August – 14. September 1944):

Gefecht
Einheiten
zahlenmäßiges Verhältnis
Ergebnis
Verluste pro Tag
Effektivität
Seine River (23.-25.8.44)
US XX.Korps
271%
Angriff erfolgreich
0,19%
1,20
dt. 1.Armee
befestigte Verteidigung scheitert
2,01%
1,48
Moselle-Metz (6.-11.9.44)
US XX.Korps
144%
Angriff erfolgreich
0,46%
1,09
dt. 1.Armee
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,68%
1,44
Metz (13.9.44)
US XX.Korps
154%
Angriff scheitert
0,59%
1,11
dt. 1.Armee
befestigte Verteidigung erfolgreich
0,53%
1,76
Chartres (16.8.44)
US 7.Armored
188%
Angriff erfolgreich
0,72%
1,97
Einheiten der dt. 1.Armee
Verteidigung scheitert
6,95%
2,24
Melun (23.-25.8.44)
US 7.Armored
287%
Angriff erfolgreich
0,19%
1,03
dt.48.Inf.Div verstärkt
vorbereitete Verteidigung scheitert
2,02%
2,13

Sie scheinen sich auf die **Schlacht von Metz** zu beziehen, die **1944** während des Vormarsches der Alliierten in Frankreich stattfand, und nicht auf „Le Masto-Metz“ (das in historischen Aufzeichnungen nicht vorkommt). Die **Schlacht von Metz** war eine bedeutende und langwierige Auseinandersetzung zwischen der **3. US-Armee** unter dem Kommando von **General George S. Patton** und den **deutschen Streitkräften**, die die befestigte Stadt **Metz** im Nordosten Frankreichs verteidigten.

Die Schlacht von Metz (August–September 1944): Pattons Kampf um eine Festungsstadt

Oberst Constantin Meyer
Oberst Constantin Meyer, Befehlshaber der Garnison von Metz, welche über viele Wochen den Amerikanern einen harten Widerstand entgegenbrachte.
Die Schlacht um Metz, die vom 14. August bis zum 14. September 1944 ausgetragen wurde, war eine der schwierigsten Schlachten, denen sich die 3. US-Armee während ihres Vormarsches durch Frankreich im Zweiten Weltkrieg stellen musste. Die Stadt Metz, nahe der deutschen Grenze gelegen, war seit dem 19. Jahrhundert stark befestigt und galt als wichtige vorgeschobene Festung des deutschen Westwalls (Siegfriedlinie).

Hintergrund
Nach dem Erfolg der Normandie-Offensive und dem raschen Vormarsch der Alliierten durch Frankreich drängte die 3. Armee unter General George S. Patton nach Osten in Richtung Mosel vor. Ihr Ziel war es, Metz einzunehmen und den Weg in die Saar-Industrieregion und schließlich nach Deutschland selbst zu öffnen. Die Deutschen unter der Heeresgruppe G waren jedoch entschlossen, Metz um jeden Preis zu halten.

Die Schlacht beginnt
Mitte August 1944 erreichten die amerikanischen Streitkräfte die Außenbezirke von Metz, doch ihr Vormarsch wurde durch Versorgungsengpässe, heftigen deutschen Widerstand und den beeindruckenden Festungsring der Stadt gebremst, der zum Großteil noch aus der Zeit Kaiser Wilhelms II. stammte. Die Deutschen nutzten diese Befestigungsanlagen effektiv und verwandelten Metz in eine Festungsstadt, die einer längeren Belagerung standhalten konnte.

Starke Regenfälle und überflutete Flüsse erschwerten den amerikanischen Angriff zusätzlich und verwandelten das umliegende Gelände in schwieriges Terrain für Panzer und Infanterie. Trotz mehrerer Durchbruchsversuche sahen sich die US-Streitkräfte mit eingegrabenen Verteidigern, Artilleriefeuer und Gegenangriffen konfrontiert, die ihren Vormarsch verzögerten.

Ergebnis und Bedeutung
Mitte September hatte sich die Schlacht zu einer zermürbenden Belagerung entwickelt. Die Amerikaner umzingelten schließlich die Stadt, aber Metz fiel erst Ende November 1944 nach wochenlangen intensiven Kämpfen vollständig. Obwohl die US-Armee Metz letztendlich einnehmen konnte, verschaffte die Verzögerung den Deutschen wertvolle Zeit, um ihre Verteidigungsanlagen entlang der Siegfriedlinie zu verstärken.

Die Schlacht um Metz zeigte die Herausforderungen eines Angriffs auf schwer befestigte Stellungen und unterstrich die Widerstandsfähigkeit beider Armeen. Sie ist nach wie vor eines der am häufigsten untersuchten Beispiele für Stadt- und Belagerungskriegführung im europäischen Kriegsgebiet.

Überblick:
– Datum: 14. August – 14. September 1944 (Hauptphase)
– Ort: Metz, Lothringen, Frankreich
– Alliierter Befehlshaber: General George S. Patton
– Deutscher Befehlshaber: General Otto von Knobelsdorff
– Ergebnis: Sieg der Alliierten (Metz wurde im November 1944 eingenommen)
– Verluste: Tausende auf beiden Seiten (genaue Zahlen variieren)

Die Schlacht um Metz war nicht der schnelle Sieg, den Patton sich erhofft hatte, aber sie unterstrich die Entschlossenheit der Alliierten, die stärksten Verteidigungsanlagen Europas zu durchbrechen. Heute stehen die Überreste der Festungen von Metz als stumme Zeugen einer der härtesten Auseinandersetzungen des Zweiten Weltkriegs.

Schlacht an der SAAR (8. November – 7. Dezember 1944):

Gefecht
Einheiten
zahlenmäßiges Verhältnis
Ergebnis
Verluste pro Tag
Effektivität
Chateau Salins (10.-11.11.44)
US 35.+26. Inf.Div + 4.Armored
390%
Angriff und Verteidigung unentschieden
0,82%
1,14
dt.11.Pz.Div + Teile XIII.SS-Pz-Korps
befestigte Veteidigung und Angriff unentschieden
1,99%
3,21
Morhange-Conthil (13.-15.11.44)
US 4.Armored + Teile 35.Inf.Div
343%
Angriff erfolgreich
1,54%
0,87
dt.11.Pz.Div + 361.Inf.Div
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
0,87%
3,54
Bourgaltroff (14.-15.11.44)
US 4.Armored + Teile 26.Inf.Div
159%
Angriff scheitert
0,89%
1,27
Teile 11.Pz.Div + 361.Inf.Div
hinhaltende Verteidigung erfolgreich
1,08%
1,98
Bärendorf I (24.-25.11.44)
US 4.Armored
148%
Angriff und Verteidigung erfolgreich
0,37%
1,41
Pz-Lehr + 361.Inf.Div
Verteidigung und Angriff scheitern
2,09%
1,26
Bärendorf II (26.11.44)
US 4.Armored
227%
Angriff erfolgreich
0,35%
1,54
Pz-Lehr
Verteidigung scheitert
3,33%
1,17
Burbach-Dustel (27.-30.11.44)
US 4.Armored
242%
Angriff scheitert
0,16%
1,01
Pz-Lehr
hinhaltende Verteidigung erfolgreich
1,07%
0,76
Sarre Union (1.-2.12.44)
US 4.Armored
327%
Angriff erfolgreich
0,70%
0,73
dt.11.Pz.Div + Pz-Lehr + 25.Pz.Gren
vorbereitete Verteidigung scheitert
1,08%
1,93
Singlin-Binning (6.-7.12.44)
US 4.Armored
302%
Angriff scheitert
0,51%
0,92
dt.25.Pz.Gren + 11.Pz.Div
befestigte Verteidigung erfolgreich
1,21%
1,52
Seille River (8.-12.11.44)
US XII. Korps
422%
Angriff erfolgreich
0,86%
1,69
XIII.SS + LXXXIX.Korps
befestigte Verteidigung scheitert
4,14%
2,79
Morhange-Faulquemont (13.-16.11.44)
US XII. Korps
326%
Angriff scheitert zuerst, dann erfolgreich
0,87%
1,74
XIII.SS + LXXXIX.Korps
hinhaltende Verteidigung zuerst erfolgreich, scheitert dann
3,23%
2,54
Francaltroff-St.Avold (20.-27.11.44)
US XII. Korps
275%
Angriff erfolgreich
0,46%
1,45
XIII.SS + LXXXIX.Korps
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
1,91%
2,75
Durstil-Farebersviller (28.-29.11.44)
US XII. Korps
293%
Angriff scheitert
0,27%
1,13
XIII.SS + LXXXIX.Korps
hinhaltende Verteidigung erfolgreich
1,32%
1,29
Sarre River (5.-7.12.44)
US XII. Korps
286%
Angriff erfolgreich
0,42%
1,39
XIII.SS + XC. Korps
hinhaltende Verteidigung aufgegeben
1,88%
1,47

Statistischer Vergleich aller Schlachten gegen die West-Alliierten 1943/44

Nun der statistische Vergleich des Kampfwertes der in insgesamt 78 Schlachten (Italien und im Westen) untersuchten Verbände.

Alle Schlachten gesamt:

Seite
gesamte Truppenstärke
gesamte Verluste
durchschnittliche Verluste je Kampftag
durchschnittliche Kampf-Effektivität
Westalliierte
1.783.237
47.743
1,25%
1,45
Deutsche
940.198
48.585
1,83%
2,25

Kampf-Effektivität nach Aktionen:

Aktion
Alliierte
Deutsche
deutsche Überlegenheit
Angriff erfolgreich
1,47
3,02
205%
Angriff scheitert
1,20
2,28
190%
Verteidigung erfolgreich
1,60
2,24
140%
Verteidigung scheitert
1,37
2,29
167%
Durchschnitt
1,45
2,31
159%


Effektivste Verbände

Nachfolgend der Kampfwert derjenigen Einheiten, welche an mindestens drei der untersuchten Schlachten teilnahmen. Der durchschnittliche Kampfwert der deutschen Truppen liegt etwa 23 Prozent höher als der alliierten Truppen.

Kampfwerte der Einheiten:

Division/Korps
Anzahl Schlachten
Intensität
Abweichung vom Durchschnitt
Gefechts- Leistung (Kills)
Kampf-Effektivität
US
1st Armored
3
6,77
-0,08
2,63
86,60
3rd Infantry
4
4,80
-0,87
1,31
66,17
4th Armored
8
3,95
-1,47
1,11
61,59
34th Infantry
5
4,14
-1,52
1,40
65,28
45th Infantry
9
4,29
-1,30
1,40
64,50
85th Infantry
5
5,28
-1,73
1,95
71,95
88th Infantry
4
5,02
0,28
2,40
84,64
XII Corps
5
4,78
-0,48
1,48
69,69
XX Corps
3
3,93
-1,93
1,13
60,09
Durchschnitt US
70,06
BRITEN
1st Infantry
8
5,71
-
1,66
70,37
5th Infantry
3
4,47
-
2,13
74,92
7th Armored
3
2,97
-
1,11
64,50
46th Infantry
6
5,27
-
1,11
65,76
56th Infantry
9
5,56
-
1,08
54,15
Durchschnitt Briten
65,94
DURCHSCHNITT ALLIIERTE
68,59
DEUTSCHE
5
3,52
+0,57
2,54
87,43
4
4,70
+0,57
1,28
70,63
3.Pz.Gren
16
4,24
+0,65
2,10
81,83
4.Fallschirmjäger
4
6,03
+1,25
2,63
90,90
11.Pz.Div
5
3,88
+1,18
2,44
88,13
15.Pz.Gren
9
1,52
+0,11
2,09
79,90
16.Pz.Div
7
3,50
-0,38
2,84
88,62
65.Inf.Div
5
5,82
+0,54
2,28
83,87
94.Inf.Div
8
6,46
-0,09
3,05
92,03
362.Inf.Div
3
9,10
-1,16
2,74
84,33
XIII. SS-Panzer-Korps
5
7,08
+0,76
1,98
80,60
Durchschnitt Deutsche
84,36 (23% über Alliierte)

button gosiehe auch: Militärische Leistungsfähigkeit an der Ostfront

siehe auch: Ergebnisse von Schlachten im 1. Weltkrieg


Die Befreiung Westeuropas durch die Alliierten

Die Westfront von August bis Mitte Dezember 1944.

Die schweren Kämpfe der Briten und Kanadier bei Caen banden genügend deutsche Panzer und Truppen, damit die amerikanischen Truppen nach dem schwersten Luft- und Artilleriebeschuss des Feldzuges am 25. Juli die strategisch günstig gelegene Stadt St.Lô am westlichen Ende der Cotentin-Halbinsel einnehmen konnten und damit den deutschen Einschließungsring um den alliierten Landekopf in der Normandie aufbrechen konnten. Bei dieser ‚Operation Cobra‘ wurden erstmals Bombenteppiche durch strategische Bomber auf einen nur wenige Kilometer breiten Frontabschnitt geworfen. Bis zum 30. Juli war der Ausbruch in das französische Hinterland durch die Eroberung von Avranches gelungen.

zerstörter Panther-Panzer der Panzer-Lehr-Division
Ein während Operation Cobra durch das Flächenbombardement amerikanischer Bomber zerstörter Panther-Panzer der Panzer-Lehr-Division.

Am 1. August bildeten die Vereinigten Staaten die 3. US-Army, welche von nunmehr reaktivierten George
Patton kommandiert wurde und wiesen ihn an, den deutschen linken Flügel schnell zu umgehen und dann in einem weiten Bogen nach Nordosten südlich der deutschen Front vorzustoßen.
Fast gleichzeitig schickte Hitler gepanzerte Verbände nach Westen in Richtung des Dorfes Mortain, um einen Gegenangriff zu starten, der die scheinbar überdehnte amerikanische Front zerschlagen sollte. Der Gegenangriff scheiterte, und nun waren die Deutschen selbst überflügelt und liefen Gefahr, von den US-Truppen und Montgomerys Soldaten, die endlich bei Caen durchgebrochen waren, in einem riesigen Kessel eingeschlossen zu werden.

Ausgeschalteter PzKpfw IV der 116. Panzer-Division
Ausgeschalteter PzKpfw IV der 116. Panzer-Division ‚Windhunde‘ am Fluss Vire, wo es zu den heftigsten Kämpfen während Operation Cobra kam.

So entwickelte sich die größte Panzerschlacht an der Westfront zum ‚Kessel von Falaise‘, bei der die alliierte Überlegenheit an Material und Flugzeugen zu einem großen Sieg führte. Das östliche Ende des Kessels konnte nur schwer geschlossen werden und 50.000 Deutsche entkamen, aber sie ließen 50.000 andere zurück, mit Tausenden von Pferden und fast ihrer gesamten Ausrüstung. Der Weg nach Nord- und Ostfrankreich war mit einem Schlag geöffnet.

Soldaten der SS-Division Hitlerjugend in der Normandie
Dieses dramatische Foto von der Normandie-Front im Juni 1944 zeigt einen verwundeten SS-Obersturmbannführer zusammen mit erfahrenen Unteroffizieren, welche ihre jungen Soldaten von der 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend einweisen.
Die Gesamtverluste der Alliierten bei ihrem Vorstoß ins Landesinnere gingen in die Zehntausende. Die schiere Größe von rund zwei Millionen Mann der sich Ende August gegenüberstehen Armeen war davon eine Ursache. Dazu kam auch der Charakter der Kämpfe und Truppen, denn die Hälfte der deutschen Divisionen und fünf der sieben Panzerdivisionen waren von der Waffen-SS oder der Elite-Truppen der Luftwaffe, den Fallschirmjägern.
Sie waren die besten Truppen, welche die Deutschen hatten, gut ausgebildet und bewaffnet und von nationalsozialistischem Eifer und Rücksichtslosigkeit strotzend. Die 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte-SS-Adolf Hitler zerfetzte eine britische Formation westlich von Caen, die 2. SS-Panzer-Division Das Reich ermordete Hunderte von Franzosen nach Angriffen der Résistance, und die 12. SS-Panzer-Division Hitlerjugend ermordete Hunderte von Kanadiern, die sich in der Nähe des ‚Juno-Beach‘ ergeben wollten. Sie gaben wenig Pardon und erwarteten auch keinen, und ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Gegner und auch sich selbst, zusammen mit ihrer großen Feuerkraft, erhöhte die Zahl der Opfer, verhinderten aber auch den kompletten Untergang der deutschen Armee im Kessel von Falaise.

Die Divisionen der Waffen-SS führten auch heftige Gegenangriffen in der Normandie durch. Die unerprobten kanadischen Teenager, die am D-Day an Land stürmten, verloren in der darauffolgenden Woche 3.000 Mann und mehr in Caen, hauptsächlich gegen die ebenso unerfahrenen, aber noch mörderischen Teenager der 12. SS-Panzerdivision.
Doch es waren dann auch diese Kanadier, die sich mit improvisierten Transportmitteln nach Süden kämpften, um die Lücke bei Falaise am 20. August zu schließen, wobei sie einen SS-General töteten und nur wenige Gefangene machten.
Auch Soldaten aus Polen, Veteranen der Flüchtlinge von 1939, die jetzt als 1. polnischen Panzerdivision organisiert waren und unter Montgomery an Land gegangen waren, halfen den Kanadiern dabei. Nachdem bereits viele der fliehenden Deutschen entkommen waren, traf ein polnischer Leutnant mit einem amerikanischen Soldaten zusammen, um den Falaise-Kessel zu schließen.
Später brachten kanadische Soldaten in der Nähe von 325 polnischen Gräbern an der Rückzugsstraße aus Falaise ein einfaches Schild mit der Aufschrift ‚Ein polnisches Schlachtfeld‘ an.

Rückzugsstraße aus dem Kessel von Falaise
Dies ist die Rückzugsstraße aus dem Kessel von Falaise bei St. Lambert sur Dives, wo die letzten deutschen Verteidiger in Gefangenschaft ziehen.

Nach dem Sieg bei Falaise konnten sich die Alliierten zum ersten Mal seit ihrer Landung auf dem Kontinent mit dramatischem Tempo fortbewegen. Montgomerys Armeen überwanden die behelfsmäßigen deutschen
Verteidigungsanlagen an der Seine und nahmen am 30. August Rouen und zwei Tage später Amiens, 250 Kilometer von Falaise entfernt, ein.
Die Kanadier teilten sich auf, um die gut verteidigten Häfen am Ärmelkanal – einschließlich Dieppe, wo viele Kanadier beim Überfall 1942 umgekommen waren – zu isolieren und zu erobern.

US-Pioniere beim Brückenbau über die Seine.
US-Pioniere beim Brückenbau über die Seine.

Britische und amerikanische Armeen stießen über die Somme nach Belgien vor und nahmen am 3. September die große Hafenstadt Antwerpen ein, die für Eisenhower als Nachschubbasis sehr wichtig war. Die Deutschen hielten allerdings immer noch das Nordufer der Antwerpener Scheldemündung, sodass der Hafen selbst jedoch weiterhin unbenutzbar blieb. Dies war ein schwerer Schlag für die Logistik der Alliierten, bis Kommandos und Bomber Ende November die letzten deutschen Verteidiger ausschalteten.

Pattons 3. Armee zog an Paris vorbei und nahm am 16. September Nancy nahe der Grenze ein. An der Riviera, der französischen Mittelmeerküste, landeten am 16. August 1944 500.000 amerikanische und französische Truppen aus Italien und Nordafrika kommend und nahmen den Hafen von Marseille ein. Anschließend zogen sie das Rhonetal hinauf, um Lyon und Dijon einzunehmen, und schlossen als 7. US-Armee und französische 1. Armee südlich von Pattons 3. US-Armee auf.
Dieser Vorstoß legte in sechs Wochen 650 Kilometer zurück, nahm 60.000 Deutsche gefangen, gegenüber 7.000 amerikanisch-französischen Verlusten und eröffnete eine wertvolle Nachschublinie, bevor er im Oktober in der Nähe der Mosel an Schwung verlor.

Der Durchmarsch durch Frankreich war zum Teil das Ergebnis der Schwäche der Deutschen, die bis Ende August 600.000 Soldaten und viel Ausrüstung verloren hatten und keine Luftunterstützung hatten. Aber er war auch auf die Waffen und die Taktik der Alliierten zurückzuführen.

Die amerikanischen M4 Sherman-Panzer, die auch nach Vorgaben von General Patton gebaut waren und von allen westlichen Alliierten eingesetzt wurden, hatten schwächere Kanonen und weniger Panzerung als die deutschen Panther-Panzer und Tiger-Panzer, aber sie waren schneller, verbrauchten weniger Treibstoff und fielen seltener aus, was eine bessere Verfolgung ermöglichte und weniger der gefährlichen Stopps erzwang. Dazu gab es eine große Anzahl von ihnen, so viele, dass sie, sobald sie aus den Bocage-Heckengebieten der Normandie kamen, eine Überlegenheit von 5 zu 1 hatten. Dies war auch nötig, um einen Tiger oder Panther auszuschalten.

Außerdem verfügten die Alliierten über gute Infanterie und vor allem Luftunterstützung in Form von mittleren Bombern B-25 Mitchell und B-26 Marauder, sowie den gefürchteten P-47 Thunderbolt und Hawker Typhoon, welche hervorragende Panzerknacker waren und die deutschen Einheiten dezimierten.

Jagdbomber Hawker Typhoon Normandie
Jagdbomber Hawker Typhoon suchen über den Schlachtfeldern der Normandie mögliche Ziele.

Im August konnten die Amerikaner durch das gute Wetter jederzeit per Funk Luft- und Artillerieangriffe anfordern, um Stellungen auszuschalten oder Gegenangriffe zu stoppen. Dies ist ein Beispiel für die den gemeinsamen Einsatz verschiedener Waffengattungen, die einst in den Blitzkriegen allein Deutschland vorbehalten waren, nun aber das Markenzeichen seiner Feinde waren.

Die Amerikaner umgingen Paris, weil Patton seine Panzer nicht in der Stadt einsetzten wollte und Eisenhower sie dort auch nicht versorgen konnte. So blieb die Initiative bei der örtlichen Widerstandsorganisation, die verzweifelt gegen die deutsche Garnison kämpfen wollte, so wie es die Widerstandskämpfer anderswo auch taten. Dies waren Mitglieder von Charles de Gaulles Streitkräften oder der ‚Kämpfenden Franzosen im Inneren‘, welche schon bei den Landungen im Süden und in der Bretagne geholfen hatten.

Aber de Gaulle befürchtete jedoch, dass es in der Pariser Bewegung zu viele Kommunisten gab und dass Straßenkämpfe die Stadt zerstören würde. Er überredete Eisenhower, der ihn mehr mochte als andere US-Befehlshaber, eine französische Panzerdivision aus der Normandie die Stadt befreien zu lassen. Am Ende löste die Résistance keinen Massenaufstand aus und läutete stattdessen nur die Kirchenglocken, als der deutsche Stadtkommandant General von Choltiz, entgegen dem Befehl Hitlers, die Stadt zu zerstören, Paris ohne Widerstand übergab.

Parlamentätre der FFI beim Hauptquartier des Pariser Stadkommandanten
Parlamentätre der FFI beim Hauptquartier des Pariser Stadtkommandanten von Choltiz. Die Aufständischen tragen eine Armbinde mit ‚Defense passive‘, während die deutschen Soldaten 1940 erbeute französische MAS Gewehre tragen.

Am 25. August marschierte General de Gaulle mit seinen Truppen durch den Arc de Triomphe und rief seine Nation auf, den Kampf von 1940 fortzusetzen und gewann damit die Unterstützung, die er brauchte, um damit später einen Platz am Tisch der Sieger einfordern zu können. Für große Teile der Weltbevölkerung war die Befreiung von Paris einer der dramatischsten Momente des Zweiten Weltkriegs.

General de Gaulle zieht in Paris ein.
General de Gaulle zieht in Paris ein.

Bis zum Herbst 1944 verlief der Vormarsch der westlichen Alliierten jedoch nach dem altbekannten Muster militärischer Offensivoperationen. Auf der einen Seite verkürzten die Deutschen ihre Nachschubs- und Verbindungslinien, als sie sich in Richtung des Vaterlandes zurückzogen, wodurch sie sich leichter verstärken und ausrüsten konnten.
Andererseits wurden die Nachschubwege der alliierten Transportkolonnen länger. Jeder Division fehlte bei der Annäherung an den Rhein der Treibstoff, und vielen fehlte Munition. Nicht einmal die rund um die Uhr verkehrenden LKW-Konvois aus der Normandie und Marseille konnten die Truppen mit Benzin versorgen.
Es ist nämlich ein logistischer Albtraum Truppen, die über eine so weite Entfernung an einer so breiten Front operierten, mit Benzin zu versorgen, da die Versorgungslastwagen selbst so viel Benzin bei ihrer Fahrt dahin verbrauchten.

Eisenhower ordnete daher an, den Vormarsch anzuhalten, bis genügend Nachschub herankommen konnte. Das gefiel weder Montgomery auf der linken Flanke noch Patton zu seiner Rechten, die beide auf eine einzige Offensive nur in ihrem eigenen Frontabschnitt drängten. Dies lehnte Eisenhower aufgrund der Risiken für die Flanken eines dann enstehenden großen Frontkeils ab.
Im September erlaubte er Montgomery jedoch, eine komplizierte Operation durchzuführen, die mit präzisen Luftlandungen und schnellen Panzerstößen acht Brücken nach Arnheim in Holland einnehmen sollte.
Von dort aus sollten Montgomerys Truppen den Rhein überqueren und sich nach Osten in Richtung Berlin wenden.

Britische Gefangene in Arnheim
Britische Fallschirmjäger gehen in Arnheim in Gefangenschaft.

Bei dieser Operation ‚Market Garden‘ ging dann fast alles schief: Fallschirmjäger wurden zu weit von ihren Zielen abgesetzt, unentdeckte SS-Panzertruppen standen zur Auffrischung bei Arnheim, ein riesiger Stau bremste die alliierten Panzer auf ihrer einzigen Vormarschstraße und der Nebel hielt die Flugzeuge auf dem Boden.
Am Ende hatten die Alliierten einen Frontvorsprung nach Holland hinein, den sie ein halbes Jahr später bei der Invasion Deutschlands ausnutzten, aber sie verloren 10.000 Mann und ließen Arnheim und den Rhein in deutscher Hand.

US BAR-Tem im Hürtgen-Wald
Ein amerikanisches BAR-Team kämpft sich durch den Hürtgen-Wald bei Aachen. Während deer Wochen voll mörderischer Kämpfe dort waren es die GIs der 4., 8. und 28. US-Division, welche den Preis für das zuvor langsame Vorrücken der 1. US-Armee bezahlen mußten.

Gleichzeitig erlitten die amerikanischen Streitkräfte einen herben Rückschlag bei dem Versuch, den Hürtgenwald zu sichern. Dieses Waldgebiet liegt direkt hinter der deutschen Westgrenze, und schien eine Flankenbedrohung für einen zukünftigen amerikanischen Vormarsch darzustellen. Der Hürtgenwald war jedoch kein wichtiges Ziel und der Historiker Stephen Ambrose nennt den Plan, ihn einzunehmen, sogar schlichtweg ‚dumm‘.
Die Deutschen hatten den Wald mit einem mörderischen Aufgebot an Bunkern, Stacheldraht, Landminen und Maschinengewehrnestern verbarrikadiert. Der Wald mit seinem Laubdach verhinderte präzisen alliierten Artilleriebeschuss oder Luftangriffe.

Die Amerikaner sicherten den Wald schließlich während des Dezembers, aber sie verloren dabei 25.000 Mann, was den Kampftruppen von vier Divisionen entsprach. Weiter im Süden verlor Patton sogar noch mehr Männer, als er die Widerstandsnester in der Gegend von Metz einnahm.

US-Soldaten durchsuchen Häuser in Metz
In Metz durchsuchen GI’s mit einem BAR-Schützen von der 5. US-Division Häuser nach sich versteckt haltenden deutschen Soldaten. Die deutschen Truppen verwandelten Metz in eine Festung, welche den alliierten Vorstoß für Wochen aufgehalten hat. Schließlich fällt die Stadt nach harten, vierzehntägigen Kämpfen an das XX. Korps von General Pattons 3. US-Armee.

Aber die militärische Lage des Dritten Reich war schon seit dem Tag hoffnungslos gewesen, als das, was Rommel beabsichtigt hatte, versäumt wurde: die alliierten Streitkräfte am D-Day wieder ins Meer zu treiben. Die einzige Frage, welche im Dezember 1944 noch offen war, war eigentlich nur, wer das Rennen nach Berlin gewinnen würde: die Briten, Amerikaner und Kanadier vom Westen oder die Rote Armee aus dem Osten.


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Quellenangaben und Literatur

Der Genius des Krieges (Trevor N. Dupuy)
Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
Historical Atlas of World War Two – The Geography of Conflict (Ronald Story)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)

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